Seher, Propheten, persönliche Prophetie: „Was ist Prophetie?“ Teil 1 von 3
Hallo zusammen!
Es herrscht große Verwirrung in Bezug auf Seher, Propheten, Prophezeiungen und persönliche Propheien. In diesem ersten Teil werde ich darüber sprechen, wie wir Menschen anhand ihres Geistes erkennen können – und welche Probleme dies mit sich bringen kann.
Anziehung durch den Geist
„Von nun an kenne ich niemanden mehr nach menschlichen Maßstäben (sondern nach dem Geist), denn wir haben Christus einst im Fleisch erkannt, jetzt aber nicht mehr; wir erkennen ihn durch den Geist. Denn wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden, und alles ist von Gott.“ 2. Korinther 5,16–17.
In der Welt erkennen wir einen Menschen an, ehren ihn oder kennen ihn nach den Maßstäben der Welt: Bildung, wirtschaftliche Lage, ausgeübter Beruf, Reichtum und so weiter. In Christus gibt es nur einen Maßstab: die Wiedergeburt. Weltliche Maßstäbe, um jemanden zu kennen, sind zweitrangig, weshalb Paulus sagte, dass er von nun an einen Menschen nicht mehr nach weltlichen Maßstäben beurteilen werde, sondern nach dem Geist.
Viel Schaden ist dadurch entstanden, dass Menschen über diese neutestamentliche Realität, Menschen nach ihrem Geist zu erkennen, verwirrt waren. So manche Frau hat sich einem Geistlichen an den Hals geworfen, weil ihr Geist sich mit einigen Gaben in seinem Geist identifiziert, und sie nimmt das als Zeichen Gottes, dass er ihr zukünftiger Ehemann sei. Es muss nicht unbedingt ein Geistlicher sein – das geschieht von Schulen bis zu Kirchen, von Unternehmen bis hin zu zufälligen Begegnungen in der Öffentlichkeit. Die Anziehung zum Geist eines anderen wird oft fälschlicherweise als Gottes Führung für eine Beziehung gedeutet. Fälschlicherweise – das heißt, es ist nicht Gott, sondern nur ihr Geist, der sich zum Geist eines anderen hingezogen fühlt.
Als ich Direktor einer Bibelschule war, lernte ich den großartigen und weithin angesehenen Evangelisten T. L. Osborn kennen. Unsere Schule befand sich im Gebäude seines Dienstzentrums, und ich betrachte das als eine besondere Zeit. Er sprach bei unseren Andachten in der Kapelle, und ich hatte sogar das Privileg, ihn in seinem Haus zu treffen. Eines Tages, nachdem er in der Kapelle gesprochen hatte, kam eine Studentin weinend zu mir, und sie wusste nicht, warum sie weinte. Ich fragte sie, wozu sie sich berufen fühlte, und sie sagte: „Mission.“ Ich erklärte ihr, dass die Gaben in ihrem Geist Zeugnis abgelegt hatten von den Gaben in T.L. Osborns Geist, was Mission war, und dass ihr Geist von all dem bewegt worden war, was sie von all seinen Abenteuern und den Menschen, die er für den Herrn gewonnen hatte, gehört hatte. Sie erkannte T.L. gemäß dem, wie man jeden von uns in Christus erkennt.
Ein weiteres Beispiel:
Als ich 16 war, lernte ich im Deutschunterricht der 10. Klasse ein Mädchen kennen. Der Lehrer ließ die Schüler oft Zweiergruppen bilden, und ich war mit ihr in einer Gruppe. Zwischen den Unterrichtsstunden lernten wir uns kennen. Sie war römisch-katholisch, ich war Episkopale (Anglikaner), was eine gemeinsame Sonntagsliturgie bedeutet. Eines Tages sagte sie zu mir: „Ich kenne den Gott hinter der Liturgie.“ Sie führte mich zum Herrn.
Wir waren damals in der 10. Klasse, 16 Jahre alt. Ihr Freund und späterer Ehemann führte sie zum Herrn, sie führte mich zum Herrn, und dann führte ich meine Freundin und spätere Ehefrau Barb zum Herrn. Wir belegten beide im vorletzten Schuljahr ein zweites Jahr Deutsch, sodass sich unsere Freundschaft im Herrn weiter vertiefte. In unserem Abschlussjahr an der Highschool wurde ich zum Prom-König gewählt, sie zur Prom-Königin. Ich habe ihren Geist schon immer geliebt. Ich werde ihr immer dankbar sein, dass sie Jesus mit mir geteilt hat, und wir stehen bis heute regelmäßig in Kontakt. Ich habe ihren Geist von Anfang an geliebt. Ich bewundere ihre Seele, und seitdem haben wir diese Bruder-Schwester-Beziehung. Ich würde niemals, und auch sie würde niemals daran denken, über das Lieben und Schätzen unserer Geister hinauszugehen.
Aber manche Menschen entwickeln eine Freundschaft mit jemandem bei der Arbeit, oder ein Pastor mit einer Lobpreisleiterin, oder zwei Nachbarn, und verwechseln die Attraktion zum Geist (oder zur Seele) des anderen mit Liebe, mit Gott und mit Gottes Willen und mit der Vorstellung, dass Gott ihnen gesagt hat, die andere Person sei ihr Partner … und das ist es überhaupt nicht. Es ist lediglich das Wahrnehmen dessen, wer sie in ihrem Geist sind. Oftmals lässt sich jemand emotional ein, sagt: „Gott hat mir gesagt, dass er mein Ehemann/meine Ehefrau ist“, und fragt sich, warum Gott das der anderen Person nicht gesagt hat. Wir bestehen aus Geist, Seele und Körper. Überschreite diese Grenze nicht. Nimm wahr, ob du dich zum Geist dieser Person hingezogen fühlst, vielleicht zu Geist und Seele … aber wenn da bereits andere Grenzen bestehen, überschreite sie nicht.
Die Vorstellung, dass unsere Geister wahrnehmen können, was im Geist eines anderen vorgeht, wird nicht oft gelehrt, und was es dazu gibt, ist manchmal ziemlich unheimlich und seltsam.
Menschen nehmen die Eigenschaften des Geistes einer anderen Person wahr und fühlen sich davon angezogen, und sie verwechseln diese Anziehung mit Liebe.
Was ist, wenn ein Pastor eine alleinstehende Frau in seiner Gemeinde hat, die zu ihm kommt oder ihn um Rat bittet? Was, wenn dieser Pastor in seinem Geist die Eigenschaften im Geist dieser Frau wahrnimmt – wie Gott sie geschaffen und begabt hat – und er sich deshalb zu ihr hingezogen fühlt? Vielleicht ist sie auch hübsch anzusehen. Er könnte sie manipulieren und kontrollieren, sie dazu bringen, sich nachts allein in seinem Büro mit ihm zu treffen, oder sogar Sex in die Beziehung einbringen, unter dem Vorwand, dass sie das brauche, um aus vergangenen Beziehungen geheilt zu werden... und viele andere böse Dinge dieser Art geschehen im Leib Christi. Jesus definierte Ehebruch in Matthäus 5,28 als die lüsterne Vorstellung gegenüber einem anderen. Im Laufe der Jahre habe ich viele Pastoren in mehrfachen Ehebrüchen gesehen – Vorstellungen in ihren Köpfen über Frauen in ihrer Gemeinde oder in ihren Lobpreis-Teams – und habe einige von ihnen vom Abgrund zurückgezogen.
Das kann in jedem Unternehmen, in jeder Branche oder in Freundschaften ebenso wie in der Gemeinde passieren. Unsere Welt ist so verdorben, dass manche behaupten, Maria Magdalena und Jesus seien ein Paar gewesen – sogar frühe christliche häretische Schriften legen das nahe. Die Gedanken der Menschen sind so verdorben, dass sie sich nicht vorstellen können, dass eine Frau, aus der sieben Dämonen ausgetrieben wurden, Jesus rein auf spiritueller Ebene liebte; sie glauben, es müsse körperlich geworden sein, aber das war nicht der Fall. Lieben wir Jesus nicht aus unserem Geist heraus? Das ist Reinheit. Unser Geist bezeugt zusammen mit dem Heiligen Geist, dass wir Kinder des Vaters sind und dass Christus in uns ist. Deshalb schreibt Paulus in 1. Timotheus 5,2, dass wir ältere Frauen wie Mütter und jüngere wie Schwestern behandeln sollen – Paulus sagt damit: Liebt ihren Geist, erweist ihnen den gebührenden Respekt und die Ehre und überschreitet keine Grenzen.
Vor Jahren war ich Redner auf einer „apostolischen“ Konferenz, und während ich in einem Nebenraum darauf wartete, an die Reihe zu kommen, wollten einige der Helfer, die Wasser und Snacks servierten, mir die Hände auflegen und über mich prophezeien. Ich ließ sie gewähren, und was sie zunächst sagten, traf genau zu – dass ich bald in eine andere Art von Dienst hineingestellt werden würde und so weiter. Doch als ich mich bei ihnen bedankte und mich von dem „heißen Stuhl“ erheben wollte, drängten sie mich, mich wieder hinzusetzen und „zu sehen, was der Herr sonst noch sagen könnte“.
Ich tat das und ließ sie weiterreden. Was sie als Nächstes sagten, stammte nicht vom Herrn, sondern war das, was ihr Geist von den Gaben in meinem Geist wahrnahm. Alles, wozu Gott mich ihrer Meinung nach in Zukunft führen würde, tat ich bereits. Sie wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, dass ich der Direktor einer großen Bibelschule war und fast täglich Unterricht gab, ein großes Team in einer Megagemeinde leitete und sonntags und mittwochs für den Pastor einsprang, wenn er auf Dienstreisen war. Ihre „prophetischen Worte“, die sie alle im Futur formulierten, besagten, ich würde bald in eine Position geführt werden, in der ich lehren würde, bald Verwaltungsaufgaben übernehmen würde, bald ein großes Team und ein großes Budget leiten würde …
Es waren alles Dinge, die ich bereits tat. Wie konnten sie das übersehen?
Das erste Mal beteten sie zum Herrn. Das zweite Mal nahmen sie in ihrem Geist die Dinge wahr, die in meinem Geist waren – sie lernten mich kennen, wie Paulus oben sagte: durch den Geist, denn der Geist ist eine neue Schöpfung in Christus. Viele sogenannte Propheten bauen ihren Dienst nicht auf dem Prophetien auf, sondern darauf, den Geist einer Person wahrzunehmen und ihn in ein „So spricht der Herr“ zu verwandeln. Und damit werden wir nächste Woche beginnen. Bis dahin, Gottes Segen,
John Fenn
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